Rotraut de Clerck ist eine deutsch-sprachige Psychoanalytikerin mit langjähriger klinischer Praxis in Frankfurt am Main. Ausgebildet am Sigmund-Freud-Institut Frankfurt und als Mitglied der Deutschen psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und der International Psychoanalytical Association (IPA) anerkannt, ist sie außerdem als Lehranalytikerin und Supervisorin tätig. Das bildet den institutionellen Rahmen eines wissenschaftlichen und theoretischen Werks, das sich durch eine dezidiert interdisziplinäre Perspektive auszeichnet – de Clerck richtet den Blick konsequent auf die Grenzflächen zwischen Psyche und Kultur. Dabei geht es ihr um ein Verständnis, das ästhetische Phänomene als epistemische Resonanzräume ernst nimmt, und sich gegen eine einseitige Auflösung zugunsten eines Teilbereichs stellt. Indem sie etwa psychoanalytische Motive in den Werken Virginia Woolfs, in der Kunst Lucian Freuds oder im intellektuellen Milieu des Bloomsbury-Kreises verfolgt, zeigt sie, wie eng seelische Konflikte an die symbolischen Ordnungen gebunden sind, in denen sie sich ereignen. Ihr thematischer Radius bleibt dabei weit: Fragen von Subjektivität und Sexualität, Narzissmus und Objektliebe erscheinen bei ihr stets in Korrespondenz zu kulturellen Praktiken, politischen Phantasmen und ästhetischen Artikulationen.
Einen wichtigen methodischen Anhaltspunkt bildet für sie dabei das „szenische Verstehen“ (nach Argelander, Klüwer und Lorenzer), mit deren Hilfe sich szenisch-räumliche Dimensionen der Erkenntnissituation aufdecken lassen. Ihr Schreiben zeigt eine an Freud geschulte Verbindung von Wissenschaftlichkeit und freier Assoziation – ein Denken, das auf die Vielstimmigkeit innerer wie äußerer Welten antwortet und die Psychoanalyse als ein lebendiges, historisch situiertes Erkenntnisfeld ausweist. Wenn sie so klassische psychoanalytische Praxis mit kultur-, literatur- und gesellschaftstheoretischen Reflexionen verknüpft, entsteht eine Psychoanalyse, die sich der historischen Tiefenschärfe ebenso verpflichtet zeigt wie der ästhetischen und gesellschaftlichen Durchlässigkeit des Subjekts.
Rotraut de Clerck ist in internationalen Gremien aktiv (z. B. COWAP, IPA, EPF) und engagiert sich außerdem in der Psychoanalysevermittlung über digitale Medien, Kongresse und Ausstellungen.